Cataluña sin toros – Tschüss Stiere, tschüss Spanien?

Das ist schon eine Sensation. Katalonien verbietet als erste Region auf dem spanischen Festland den Stierkampf. 2012 soll damit Schluss sein. 68 zu 55 Stimmen, bei 9 Enthaltungen. Entscheidend sei die Aufhebung des Fraktionszwangs gewesen, jeder Abgeordnete war aufgefordert, nach seiner persönlichen Einstellung  und Gewissen abzustimmen.

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwas daran riecht auch einfach anti-spanisch. Die Katalanen sind mehrheitlich der Meinung, keine Spanier zu sein und in einem seit Jahrhunderten von den Bourbonen besetzen Land zu leben, das eigentlich selbständig sein sollte. Die Diktatur Francos hat diese Einstellung natürlich noch gefördert und die Katalanen in ihrer Meinung bestärkt.

Am Tag vor dem WM Endspiel, als das skandalöse Urteil des Verfassungsgerichts* zum Autonomiegesetz  durchsickerte, entschlossen sich spontan mehr als 1,5 Millionen Menschen zu einer Demonstration in Barcelona. Das muss man sich mal vorstellen, seit Duisburg ahnt man, was das für eine Masse von Menschen ist. In der Presse hieß es, es sei gar keine richtige Demonstration möglich gewesen, weil die Stadt dermaßen überfüllt gewesen sei, dass man einen Demonstrationszug schlicht und einfach nicht habe formieren können. Und das, obwohl bestimmt viele viel lieber auf das Endspiel hin gefeiert hätte. Der WM Titel, so meinen nicht wenige, sei sowieso eigentlich an Katalonien gegangen.

Der Stierkampf selber ist ein Phänomen, das sich kaum einem erschließt, der nicht hier geboren ist. Vielleicht kann man es am besten so formulieren: Es ist wie beim Autofahren auf spanischen Straßen, den Spaniern macht es nur Spaß, wenn es richtig gefährlich ist.

Und doch kann auch ein großer Teil der “Eingeborenen”dem Spektakel immer weniger abgewinnen. Die Besucherzahlen gehen schon seit Jahren stark zurück. Vor ein paar Jahren sollte für eine Kampagne ein Foto von einer gefüllten Stierkampfarena gemacht werden. Die Agentur war gezwungen, Freiwillige  aus vielen Nachbarstädten mit Gratisbussen heran zu karren, weil es sonst nicht gelungen wäre, das Stadion zu füllen.

Nähere Infos zu Katalonien bei Wikipedia

* Das Urteil ist alleine deshalb schon skandalös, weil die Kammer gar nicht mehr legitimiert ist, überhaupt zu urteilen, das Mandat mehrerer Richter ist schon lange abgelaufen. Aber weil es so extrem konservativ – vielleicht spricht man besser von postfaschistisch, das “post” könnte man auch weglassen – zusammengesetzt war, so sagt man, sei es gezielt nicht zum Austausch der Richter gekommen, um das erwähnte Urteil hervorzubringen. Ein erneutes Versagen von Zapatero, der da natürlich längst hätte einschreiten müssen.

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3 Antworten auf Cataluña sin toros – Tschüss Stiere, tschüss Spanien?

  1. Hans-Georg sagt:

    Wie stehst du denn zum Stierkampf?
    Ich finde, dass es ein Teil Spanischer Tradition ist.
    1968 und 1973 0der 1974 habe ich in Barcelona Stierkämpfe gesehen. Sicher, für die Tiere ist es grausam. Aber wissen wir, wie die Tiere getötet werden, deren Fleisch wir auf unseren Tellern haben?
    Von ganzen Drumherum beim Stierkampf war ich sehr angetan und ich finde es schade, dass es vorbei sein soll. Was wird aus der wunderschönen Plaza de Toros in Barcelona?

  2. Stefan sagt:

    Ich persönlich kann damit nichts anfangen, aber mich lässt ja auch ein Fußballspiel kalt. Ich war einmal in einem Stierkampf in Südfrankreich, das hat mich “tierisch” gelangweilt.

    Die diversen Plaza de toros werden auch heute schon mehr für Konzerte und ähnliche Veranstaltungen genutzt. Viele sind ja Juwelen des Jugendstils.

  3. Pingback: Kulturimperialismus mal anders | die zahl 42

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