Inflation und Fiesta

Die Preise steigen in Spanien, nachdem die Mehrwertsteuer angehoben wurde, aber die regierungsnahe Zeitung El Pais tut so, als sei das nicht selbstverständlich gewesen. Immerhin sind viele Grundnahrungsmittel wie Bier und Kaffee immer noch sehr viel billiger als in Deutschland.

Fiesta

Draußen verkleiden sie die Plaza für die Fiesta. Heute Nacht schlafe ich das letzte mal in meinem Schlafzimmer, dann heißt es für drei lange Tage bzw. Nächte in ein Gästezimmer auf der Rückseite des Hauses auszuweichen, weil ich nicht morgens um 7 von der Müllabfuhr geweckt werden will, wenn nachts um drei der letzte Angesäuselte verschwunden ist.

Aber ich muss auch mal loben. So richtig betrunkene sogenannte Bierleichen, die man in D. ja am Rande eines jeden Volksfestes beobachten kann, habe ich hier bei der Fiesta noch nie gesehen. Seit das Schulgebäude saniert wurde sind auch ausreichend Toiletten vorhanden, da gab es früher auch etwas Wildwuchs.

Harren wir der Dinge, die da kommen mögen, am Montag ist alles wieder vorbei!

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Die Fiesta nervt schon jetzt

Dass ich die jährlich stattfinde Fiesta hier am Ort nicht besonders mag, habe ich ja hier im Blog schon mehrmals angedeutet. Dieses Jahr nervt es aber schon Tage vorher.

Seit heute Morgen um acht Uhr stehen diese drei Männer da draußen und reinigen unter der Oberaufsicht des selbsternannten Dorfchefs mit einem sehr lauten und penetranten Dampfdruckreiniger die Plaza vom Staub, der sich durch die Bauarbeiten abgesetzt hat. Das ist ungefähr so sinnvoll, wie die Sahara staubsaugen zu wollen.

Spätestens am Freitag wird die ganze Plaza voller Stühle und Tische stehen und die Besucher werden ihr Abendessen verspeisen und spanientypisch wird man alles mögliche unter den Tisch fallen lassen. Und obwohl dann nachts immer gekehrt wird, sieht die Plaza spätestens am Montag wieder aus wie ein ungespültes Pizzablech.

Jedenfalls bin von dem mittlerweile schon sechs Stunden dauernden Dauerlärm ziemlich genervt.

La plaza

Kleine Bildlegende.

Mit Hut der selbsternannte Dorfchef, die Stühle stehen sonst das ganze Jahr in dem Pfarrhaus, das gerade mit 51.000 € Aufwand saniert wurde, das kleine Eckhaus hinter den Zypressen, wahrscheinlich das teuerste Stuhllager der Welt. An der Wand des Schulgebäudes im Hintergrund das Plakat, das dafür wirbt. Links bei den Männern das Franco-Denkmal, das zwar illegal ist, aber von vielen einheimischen Dorfbewohnern Hausbesitzern für unverzichtbar gehalten wird. Links die Bühne und der stählerne Kiosk, der für die Zeit der Fiesta da steht. Gegenüber an der Kirchenwand die Platten und die Böcke, die dann während der drei langen Picknickabende als Esstische dienen werden.  Das Foto gibt den Blick aus meinem Studio wieder.

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Cataluña sin toros – Tschüss Stiere, tschüss Spanien?

Das ist schon eine Sensation. Katalonien verbietet als erste Region auf dem spanischen Festland den Stierkampf. 2012 soll damit Schluss sein. 68 zu 55 Stimmen, bei 9 Enthaltungen. Entscheidend sei die Aufhebung des Fraktionszwangs gewesen, jeder Abgeordnete war aufgefordert, nach seiner persönlichen Einstellung  und Gewissen abzustimmen.

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwas daran riecht auch einfach anti-spanisch. Die Katalanen sind mehrheitlich der Meinung, keine Spanier zu sein und in einem seit Jahrhunderten von den Bourbonen besetzen Land zu leben, das eigentlich selbständig sein sollte. Die Diktatur Francos hat diese Einstellung natürlich noch gefördert und die Katalanen in ihrer Meinung bestärkt.

Am Tag vor dem WM Endspiel, als das skandalöse Urteil des Verfassungsgerichts* zum Autonomiegesetz  durchsickerte, entschlossen sich spontan mehr als 1,5 Millionen Menschen zu einer Demonstration in Barcelona. Das muss man sich mal vorstellen, seit Duisburg ahnt man, was das für eine Masse von Menschen ist. In der Presse hieß es, es sei gar keine richtige Demonstration möglich gewesen, weil die Stadt dermaßen überfüllt gewesen sei, dass man einen Demonstrationszug schlicht und einfach nicht habe formieren können. Und das, obwohl bestimmt viele viel lieber auf das Endspiel hin gefeiert hätte. Der WM Titel, so meinen nicht wenige, sei sowieso eigentlich an Katalonien gegangen.

Der Stierkampf selber ist ein Phänomen, das sich kaum einem erschließt, der nicht hier geboren ist. Vielleicht kann man es am besten so formulieren: Es ist wie beim Autofahren auf spanischen Straßen, den Spaniern macht es nur Spaß, wenn es richtig gefährlich ist.

Und doch kann auch ein großer Teil der “Eingeborenen”dem Spektakel immer weniger abgewinnen. Die Besucherzahlen gehen schon seit Jahren stark zurück. Vor ein paar Jahren sollte für eine Kampagne ein Foto von einer gefüllten Stierkampfarena gemacht werden. Die Agentur war gezwungen, Freiwillige  aus vielen Nachbarstädten mit Gratisbussen heran zu karren, weil es sonst nicht gelungen wäre, das Stadion zu füllen.

Nähere Infos zu Katalonien bei Wikipedia

* Das Urteil ist alleine deshalb schon skandalös, weil die Kammer gar nicht mehr legitimiert ist, überhaupt zu urteilen, das Mandat mehrerer Richter ist schon lange abgelaufen. Aber weil es so extrem konservativ – vielleicht spricht man besser von postfaschistisch, das “post” könnte man auch weglassen – zusammengesetzt war, so sagt man, sei es gezielt nicht zum Austausch der Richter gekommen, um das erwähnte Urteil hervorzubringen. Ein erneutes Versagen von Zapatero, der da natürlich längst hätte einschreiten müssen.

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Meine Pulsuhr und ich rennen…

… jetzt schon wieder fast vier Wochen jeden zweiten Tag, und ich werde immer fitter. Leider neige ich immer mal wieder dazu, nicht auf die Abkühlung des Abends zu warten und starte viel zu früh, dann muss ich immer leiden. Aber der Puls erholt sich inzwischen immer schneller, und auch das Gefühl, danach ziemlich fertig zu sein, stellt sich nicht mehr so oft ein.

Macht richtig Spaß und ist so viel effizienter als MTB fahren (sprich Training in einem Bruchteil der Zeit).

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Duisburg aus spanischer Sicht

Die Katastrophe wird auch hier mir großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Unter den Opfern befinden sich auch zwei junge Spanierinnen, je 22 Jahre alt, aus Tarragona, die in Deutschland ein Auslandssemester absolvierten. “Martha liebte Deutschland und die deutsche Sprache, dieses Erasmus-Semester war für sie ein Traum!” wird ein Kommilitone von ihr zitiert, der mit anderen Studenten zu einer spontanen Trauerfeier in Tarragona geeilt war. Martha hatte in Münster/Westf. studiert.

Zufällig traf ich gestern Abend eine Freundin, die als ehemalige leitende Polizistin früher auch für die Organisation von Großveranstaltungen zuständig war. Sie war entsetzt, dass es  in unseren Zeiten noch solche Fehlplanungen wie in Duisburg geben kann.

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Noch 2 Tage Frist

Die Dorf-Fiesta ist das wichtigste Event, das die (Alt-)Einheimischen hier feiern. Am ersten Wochenende im August strömt alles auf die Plaza, Tische und Stühle werden aufgestellt, an jedem Tag “spielt” eine andere unsägliche Band schreckliche Musik* und dann wird den ganzen Abend geschwoft und getrunken. Und genau an diesen drei Tagen wird die Casa del Cura, das alte Pfarrhaus, als Lagerraum und als Spülküche genutzt, genug Anlass, um es nun für schlappe 51.000 Euro von einer rumänischen Firma kernsanieren zu lassen.  Es müssen ja in der Krise Arbeitsplätze erhalten werden, Madrid zahlt ja. Lapidarer Kommentar eines Arbeiters: “Hätten die uns das Geld direkt gegeben, wäre allen mehr gedient.”

Nun hat aber leider der Herr Architekt (das ist der, der bei der Aktion das meiste Geld verdient) so absurde Ideen gehabt, dass sich die Arbeiten immer weiter hinausgezögert haben, und nun schaffen es die Rumänen nicht, alles bis zur Fiesta fertigzustellen. Das heißt, sie würden es bis Freitag schaffen, aber die Festeros** dieses Jahres bestehen darauf, schon ab Mittwoch hier wüten vorbereiten zu können, aber bis Mittwoch werden die Arbeiten nicht fertig.

Pech gehabt!

* Da stehen einfach ein paar Männlein und Weiblein auf der Bühne, die Musik kommt komplett aus der Konserve, aber man mimt den ganzen Abend lang so, als spiele man selber, was man nicht tut. Bestenfalls der Gesang ist live.

** Gruppe von jährlich wechselnden Hausbesitzern, die das Fest de facto ausrichten. Die Tatsache, dass die Alt-Einheimischen ausnahmslos nicht mehr hier wohnen im Gegensatz zu den Einwanderern, sich aber nichtsdestotrotz als die “wahren Dorfbewohner” fühlen führt immer mehr zu einem gewissen Unverständnis bei den Neubürgern.

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Jazz und Facebook im Chiringuito

Gestern Abend spielte ein Freund von mir mit seiner Jazzband in einem Chiringuito* in Jávea, einer der bekanntesten Urlaubsstädte hier in der Region. Die Chiringuitos sind sehr umstritten, denn obwohl sie Urlaubers Liebling sind, wurden sie oft illegal oder zumindest halblegal gebaut. Und wie so gerne in der spanischen Politik, kämpft man auch da gerne auf einem unwichtigen Nebenschauplatz und lässt eher erst mal ein Chiringuito abreißen, als das hundert Meter weiter stehende 10 stöckige und komplett illegal gebaute Hotel.

Aber wenn man da so in der lauen Brise sitzt, das Meer im Dunkeln hin und wieder weiße Schaumkronen aufblitzen lässt, die Jungs von der Band sich durch die Songs kämpfen, dann kommt auch bei uns Einheimischen so etwas wie Urlaubsstimmung auf. Plötzlich wird einem klar, wie weit wir eigentlich sonst von den typischen Touristen entfernt sind, dabei sind es nur 8 km auf der Landkarte.

Die Bedienungen waren sehr flott und hübsch, die Getränke eiskalt und preiswert, die Musik nicht zu laut, und Facebook überall. Ja richtig, an verschiedenen Stellen waren Netbooks aufgeklappt und man chattete in Facebook, das man ja an Layout und Farbgebung auch von weitem schnell identifizieren kann.

Ein Pärchen am Nachbartisch hatte offensichtlich noch eine Software installiert, die es ermöglichte, das Bild der eingebauten Webcam direkt als Videostream zu Facebook hochzuladen. Dazu wurde das Computerchen dann einfach umgedreht und auf die Musiker gerichtet, die sich wohl kaum hätten träumen lassen, dass sie nicht nur für die hundert Gäste des Chiringuitos spielten, sonder virtuell für die ganze Welt.

* Chiringuito= Strandbar, Kiosk, Trinken und kleine Speisen, der Biergarten des Südens

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Ich kenne Lindsay Lohan nicht …

… und trotzdem muss ich mir auf allen Kanälen berichten lassen, dass diese junge Trinkerin, die sie offensichtlich ist, nun im Gefängnis ist und ihre erste Nacht dort verbracht hat. Haben wir keine größeren Probleme?

Aus Spanien kann ich nämlich heute noch gar nichts eigenes berichten, weil ich praktisch noch nicht vor der Tür war. Also blättere ich in der virtuellen El Pais, mal sehen, was es außer Frau Lohan noch so gibt:

  • Musikverkäufe in Spanien auf historischem Tiefstand, wen wundert’s.
  • Staatsanwalt fordert 15 Jahre Gefängnis und 2,3 Millionen Strafe für Carlos Fabra, den (Ex-)Präsidenten von Castellón wegen Einflussnahme, Steuerhinterziehung und Betrug, na das ist doch was. (Ich erinnere, unser alicantinischer Präsident sitzt seit kurzem auch, mit ihm jede Menge Promis, da kommt noch was)
  • Der Präsident José Luis Rodríguez Zapatero hat sich zwei Stunden mit dem Präsidenten von Katalonien José Montilla, unterhalten und man schied  nach freundlichem Gespräch ohne ein greifbares Ergebnis. Ich überlege, ob ich hier im Blog eine Wette eröffnen sollte, wie lange es Spanien in der heutigen Form noch gibt.

Wenn man hier in der Zeitung liest, was dieser Päsident (Z.) in den letzten 5 Jahren alles nicht gemacht hat von dem, was er entweder versprochen hatte oder was so dringend zu erledigen war, dass es jedem ins Auge springt, dann fragt man sich schon, was der eigentlich den ganzen Tag macht?

Vielleicht bin ich aber auch nur genervt, weil meine rumänischen Bauarbeiter mich schon seit vielen Wochen jeden Morgen um 7:30 wecken, und das passt so gar nicht zu meinem Lebensstil bzw. Tag- Nacht Rhythmus. Prompt habe ich mir heute morgen meine volle Tasse Kaffee über die Tastatur geschüttet, gut dass es nicht der Laptop selber war. Früh aufstehen bekommt mir einfach nicht. :mrgreen:

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No Blog today…

Ich habe einfach zu viel gearbeitet. Nein, nicht am Blog, an der Musik, aber ich hab so einen toten Punkt, leer, keine Ideen. Brauch mal ein bisschen Platz im Kopf. Mal schauen, wie es morgen wird.

Buchempfehlung: Bill Bryson, A little  history of nearly everything. Kaufen, lesen, staunen.

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Die deutsche Mittelschicht in Panik

Jeder begabte kleine Einwanderer (oder Einwandererin) der (die) das Abi macht, studiert, und sich mit Fleiß und Talent einen Platz in der Gesellschaft erarbeitet, eben nicht hinter der Theke eines Döner-Standes oder am Steuer eines Pizzalieferautos, ist ein potentieller Konkurrent für Sohn  und Töchterchen aus gutem deutschen (Mittelschicht-) Hause.

Und damit die erst gar keine Chance haben, schmeißt man virtuelle Krähenfüße* hinter sich auf die Straße, wie es schon die Mafia Bosse in den Staaten taten, wenn sie vom Sheriff mit dem Auto verfolgt wurden.

Der Schaden, den die Mittelschicht dem Land und damit auch unmittelbar sich selber zufügt ist unabsehbar, aber dem einzelnen ist sein Hemd näher als….

Nur meine 2 Cents zu der Hamburger Entscheidung von gestern.

*Kleine Drahtgebilde, bei denen immer ein Zacken nach oben zeigt und der damit die Autoreifen platt sticht, wenn man darüber fährt.

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